Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Spanien

12.04. Tanger

Das war eine schlimme Nacht. Dabei war es warm und auch der Hund des Campingplatzes bellte nur ab und zu. Nein, mein Rücken schmerzte fürchterlich. Am Morgen wusste ich kaum, wie ich aufstehen sollte, so verspannt und schmerzhaft war es. Ich glaube daran, dass der Körper mir eine Geschichte erzählt, wenn er sich irgendwo meldet. Als ich bei meinem letzten Angestelltenverhältnis Probleme mit den Zähnen bekam, hatte ich schlichtweg meinen Biss verloren. Die Rückenschmerzen jetzt können vielerlei Bedeutung haben, vielleicht fühle ich, dass ich mich übernommen habe, vielleicht breche ich auch physisch etwas entzwei, ich kann es noch nicht genau sagen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Schmerzen dieser Art habe, für gewöhnlich ignoriere ich sie, mache meist Übungen für die Muskulatur. Doch letzte Nacht konnte ich es nicht ignorieren und an Übungen war nicht zu denken. Wenigstens tagsüber ging es heute. Auch fühlte ich mich an diesem Morgen das erste Mal wirklich einsam. Mit dem Alleinsein habe ich kein Problem, aber das war heute anders und ich hätte mir gewünscht, Nina wäre jetzt da gewesen.
Etwas schwerfällig machte ich mich daher auf den Weg, lief wieder am Meer entlang in Richtung Stadt, diesmal aber sah ich auf halbem Weg, dass Marokkaner eine in Felsen gehauene Treppe emporstiegen. Ich folgte ihrem Beispiel, es war wirklich abenteuerlich, denn ein offizieller Weg war das sicher nicht und die Felsen wurden an mehreren Stellen recht steil. Ich kam dennoch unbeschadet oben an, befand mir beim Stadion, von dem ich wusste, dass es in der Nähe der Medina liegt. Ich lief einfach weiter, bis ich an ein arabisches Tor kam, das nach dem Eingang zur Medina aussah. sofort heftete sich ein Marokkaner an meine Seite und bedrängte mich. Ich ignorierte ihn so gut es ging, doch er blieb wie eine Klette an mir heften. Erst als wir an einem Polizeiwagen vorbei kamen, ließ er ab. Sofort war der Nächste da und als wenn ich etwas weich geklopft wäre, war mein Widerstand bei Weitem nicht so groß, wie er hätte sein sollen. Der Einheimische schaffte es irgendwie, mich dazu zu bringen, ihm zu folgen. So zeigte er mir einige Stellen, die er für interessant hielt, war dabei allerdings so gehetzt, dass ich wenig behielt. Jedenfalls führte er mich nach wenigen Minuten zur Kasba, dem Ort, den ich ursprünglich sehen wollte. Dort lud er mich ab, nicht ohne natürlich sein Bakschisch zu kassieren. Mit dem, was ich ihm gab, war er natürlich nicht zufrieden, aber das wäre er wohl nie gewesen.
Der ehemalige Palast der Sultane ist heute eine Art städtisches Museum, das Funde aus allen möglichen Epochen zeigt, angefangen mit steinzeitlichen Artefakten, römischen, portugiesischen und noch einigen mehr. Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die Decken. Kunstvoll verziert aus Holz konnte ich gar nicht genug davon bekommen, denn sie wölbten sich symmetrisch perfekt über mir. Auch die Türen haben es mir angetan, gleichsam kunstvoll gefertigt haben sie mich schnell in ihren Bann gezogen. Ich habe dabei festgestellt, dass Holz eine gewisse Anziehungskraft auf mich auswirkt, allein schon das Material strahlt Wärme aus, und wenn ich dann noch ein solches Kunstwerk vor mir habe, ist es umso fantastischer. Die Gärten schaute ich mir ebenfalls an, doch ich denke, dass sie jetzt, außerhalb der Saison, noch lange nicht in dem Zustand sind, in dem sie sich in den Sommermonaten präsentieren werden. Kurz gesagt, sie wirkten etwas vernachlässigt.
Der Weg abwärts durch die Medina geriet zu einer Art Spießrutenlauf. Kaum ein Mensch war auf der Straße, nur ich und „Toots“, wie es schien. Das laufende Angequatsche von der Seite ging mir sehr schnell auf die Nerven und ich erhöhte mein Lauftempo. Das half.
Unten angekommen, spielte ich bereits mit dem Gedanken, zum Camper zurückzugehen, ich hatte einfach genug von der arabischen Zudringlichkeit, an die ich mich erst gewöhnen muss. Aber so einfach wollte ich es meiner Bequemlichkeit nicht machen. Ich suchte stattdessen den Grand Socco, ein jetzt neu gestalteter Platz, den eigentlichen Eingang zur Medina. Ich fand ihn recht rasch, obwohl ich ihn nicht gleich als solchen erkannte. Dabei merkte ich, wie nah ich gestern bereits an diesem Ort gewesen war. Nur wenige Meter vorher hatte ich eine falsche Abbiegung genommen und es nicht mehr fertiggebracht, diesen Fehler zu korrigieren. Jedenfalls war ich endlich da und nach einer kurzen Ruhepause ohne Störung stürzte ich mich ins Gewimmel der Medina. Hier waren die Straßen voll, die Händler boten alles Mögliche an, von Sandalen über Töpferwaren, Obst, Gemüse, Zigaretten, usw. Es ging bunt zu. Ich hielt mich an die Empfehlung des Lonely Planets, nichts zu kaufen, denn hier werden anscheinend nur Waren für die Tagesreisenden von Spanien feilgeboten – von minderer Qualität und aufgebauschtem Preis. Am Petit Socco, einem viel kleineren Platz, an dem früher das Rotlichtmillieu zu finden war, trank ich in aller Ruhe einen frischen Minztee, der mich ungemein erfrischte. Hier konnte ich Leute ungestört beobachten, denn die Kellner lassen es nicht zu, dass ihre Gäste belästigt werden. Hier hätte ich mir gewünscht, doch mein Netbook mitgenommen zu haben, denn an diesem Ort hätte ich gern geschrieben – inmitten dem Gewimmel in einer ruhigen Ecke. Doch an dieses Zusatzgewicht war an diesem Tag nicht zu denken gewesen. Danach schlenderte ich ohne Eile durch die Medina, bekam wieder von allen Seiten alle möglichen Angebote, hatte aber beschlossen, gar nicht mehr auf die Fragen, wie es ginge und woher ich stamme zu reagieren. Kann sein, dass das unhöflich ist, doch ich empfinde es auch als unhöflich, laufend gestört zu werden. Letztlich ging es keinem der „Toots“ um mich als Person, sondern nur um meinen Geldbeutel, da kann es mir egal sein, ob ich Gefühle verletze. So scheint es mir zumindest jetzt. Sicher aber ist das eine Art Prüfung, denn ich hoffe bis zum Ende meiner Reise noch einen Mittelweg zu finden, mit dem sowohl ich als auch die anderen gut leben können.
Nach einem langen Fußweg lief ich wieder am Meer entlang zurück zum Campingplatz und war erstaunt, dass trotz der etwas einfachen sanitären Einrichtungen die Warmwasserduschen bestens funktionierten. Vielleicht hilft es dem Rücken etwas.

Aussicht aufs Meer in Tanger

Hier führten mich die rudimentären Stufen hin: direkt in die Stadt.

Garten im Museum

Malerischer Garten im Museum

prächtige Holzdecke

Prächtige Holzdecke im Museum

Tor im Museum in Tanger

Majestätisches Tor

Eine der vielen prächtigen Hauseingänge in der Medina

Die Medina ist voll mit wundervollen architektonischen Eindrücken. Besonders die reich verzierten Türen und Tore können den Reisenden beschäftigen.

Eindrücke Tanger

Aber es gibt auch die Seite hier, die viel Armut widerspiegelt.

Grand Socco

Grand Socco

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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