Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Griechenland

02.08. Zagreb

War der gestrige Tag so voller geheimnisvoller Entdeckungen, stellte sich der heutige als eine Art Anti-Klimax heraus. Nachdem der Sonntag dazu da war, die Seele der Stadt zu betasten, wollte ich heute in eines der vielen Museen gehen. Leider war Montag und Montage hassen nicht nur die Engländer und Deutschen, sondern ganz eindeutig auch die Zagreber Museumsangestellten. Oder sie lieben ihn so sehr, dass sie nicht arbeiten gehen. Heute war jedes Museum, das mich interessiert hätte, geschlossen. Das Archäologische zum Beispiel, das berühmte Funde aufzuwarten hat. Oder das Technik-Museum, in dem einer der berühmtesten Söhne Kroatiens, Tesla, geehrt wird, der bewiesen hat, dass man durchaus Exzentriker und Genie gleichzeitig sein kann. Mir wird immer nur eines vorgeworfen, ganz sicher nicht das Letztere.

Jedenfalls erinnerte mich das Ganze an die Vorwende-Zeiten in meiner Heimatstadt, als unser Inseldasein kaum Besucher anlockte. Auch in Berlin gab es den berühmten museumsfreien Montag. Das hat sich heute allerdings geändert, eine Weltstadt kann sich das nicht erlauben. Ich hoffe, dass der Bürgermeister von Zagreb das liest, denn ich empfinde die Öffnungszeiten als eine Provinzposse, die einer Hauptstadt kaum würdig sind. Wenn man die freien Tage in Musseen wenigstens abwechseln würde. Aber selbst an den Wochenenden ist nur bis zur Mittagszeit geöffnet. Gar nicht schön, wirklich nicht.

Also lief ich weiter durch die Stadt. Ich stellte dabei fest, dass ich das Zentrum gestern bereits sehr ausführlich besichtigt hatte. Alles wirkte etwas schal, bereits entdeckt eben. Auch die Oberstadt, die heute nicht so lebendig war, weil die meisten doch arbeiten müssen, hatte auf mich nicht die Ausstrahlung, um mich wieder dort aufzuhalten. Daher ging ich einer anderen Beschäftigung nach, dem Schaufenster-Shoppen. In der Oberstadt entdeckte ich ein Einkaufszentrum, und was für eines. So etwas Vornehmes. In der obersten Etage war ein Designer-Geschäft, ich muss gestehen, dass ich mich nicht hineingetraut habe. Zwei Tussen, anders kann ich es nicht bezeichnen, standen dort gelangweilt hinter einem riesigen Tresen, schauten aber derartig arrogant und abwertend auf mich hinab, dass ich nicht bereit war, mir diese Demütigung gefallen zu lassen. Also ging ich gar nicht erst hinein, sondern zuckte nur, ebenso arrogant, zumindest hoffte ich das, mit den Schultern und verzog mich. Die anderen Geschäfte waren zwar nicht ganz auf diesem Niveau, aber alle ähnlich. Ich traf auch auf einen alten Bekannten, Marks&Spencers. Meine Güte, vor einigen Jahren waren sie fast Pleite. Die Produktpalette zu altmodisch, wollten nicht einmal die Engländer noch etwas von ihrem Traditionsgeschäft wissen. Aber sie expandieren und das nicht zu knapp.

Auch war es wieder ausgesprochen heiß, ganz sicher auch sehr feucht, eine Mischung, die bei mir anscheinend nicht besonders gut ankommt, denn ich vertrage sie nicht. Ich klapperte einige Museen ab, in der Hoffnung, eines davon offen zu erwischen, aber die, die ich ansteuerte, hatten alle geschlossen. Also tat ich das Nächst-beste, ich ging in einen Buchladen. Dort stöberte ich eine Weile. Eine ganze Etage war englischsprachigen Büchern gewidmet, herrlich. Bei der ganzen Auswahl wurde mir allerdings etwas anders. Selbst wenn ich es schaffen sollte, jemals eine meiner Geschichten auf den Markt zu bringen, wie soll sich ein solches Werk gegen die pure Fülle an Büchern durchsetzen? Da müssen Tausende von Werken gestanden haben, wie viele es gedruckt nicht einmal ins Regal geschafft haben, möchte ich gar nicht wissen. Das sind die Gedanken, die mich natürlich beschäftigen. Für eine Sekunde habe ich dem schwachen Moment in dem Laden sogar nachgegeben und mir vorgenommen, das Schreiben sein zu lassen. Da ich dann aber gleich eine Zyankali-Kapsel zerbeißen könnte, habe ich den Gedanken auch gleich wieder verworfen.

Die Unterstadt war ein wenig lebendiger als gestern, aber ich wurde mit Zagreb an diesem Montag nicht mehr warm, trotz der Hitze. Nach einigen Stunden entschied ich mich, es sein zu lassen, da ich nur noch sinnlos und ohne etwas zu merken in der Gegend herum streunte. Da ich in der Nähe das Fahrrad abgestellt hatte, fuhr ich damit zum Auto, das ein wenig außerhalb stand. Was man nicht alles tut, um die immensen Parkgebühren zu umgehen. Dabei riskiert man in Zagreb sein Leben, weil Fahrradfahrer als eine Art Freiwild angesehen werden. Es gibt kaum Fahrradwege, dafür aber eine Menge Straßenbahnen, die einen bequem zerquetschen können. Daher fuhr ich auf dem Fußgängerweg, sehr zum Ärger einiger Passanten. Aber was sollte ich tun? Auf die Straße? Kaum zumutbar. Letztlich schob ich das Rad eine ganze Weile, also nicht gerade die Art, in der man sich fortbewegen sollte. Wenigstens kam ich sicher an, ist ja auch einiges wert.

Es war kaum später als zwei, also fuhr ich einkaufen. Better the devil you know. Lidl gibt es inzwischen wohl europaweit und von einigen lokalen Produkten ist die Palette immer sehr identisch. Allerdings machte ich die Erfahrung, dass Euro-Stücke nicht in die Einkaufswagen passen. Die Mitarbeiter kannten das schon, nahmen es mit Humor. Einige geschickte Zangengriffe später hatte ich mein Geldstück wieder.
„Kuna, nicht Euro.“ Der Wächter, der Hand angelegt hatte, schaute mich dabei ernst und belehrend an. Dabei wünschte ich, ich hätte das Geldstück einfach stecken lassen, nur um diesem Oberlehrer zu entgehen.
Danach trieb ich mich noch ein wenig im klimatisierten Einkaufszentrum nebenan herum. Viele Cafés und eine kostenlose Wifi-Verbindung. Aber heute wollte ich nicht recherchieren, so genoss ich einfach nur die Kühle dort.
Morgen geht es weiter, Karlovac möchte ich sehen, bevor ich weiter in die Provinz zur Seenplatte fahre. Es wird langsam ernst, denn Bosnien verspricht mehr Abenteuer als das vollständig ausgebaute Slowenien und Kroatien. Ich habe jedenfalls keinen Reiseführer.
„Einfach hinfahren.“ Die Worte der österreichischen Buchhändlerin klingen noch im Ohr.
Ich mach das jetzt mal.
 

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Das Nationaltheater in Zagreb

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Ins Museum kam ich nicht, aber aber dafür eine Statue von Tesla.

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Die Innenstadt wirkte an diesem Tag nicht mehr so lebendig. Kein Wunder, es war Montag.

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Trotzdem hat sie natürlich Flair.

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Auf dem Markt jedenfalls war mehr los. Und das Angebot um Längen besser als Sonntag.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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