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Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Italien

20.06. Cadenet

Heute Morgen wurde es richtig stürmisch, der Mistral schüttelte den Camper durch und gleichzeitig uns, die wir innen krampfhaft versuchten, uns auf dem Bett zu halten und zu schlafen.
Hatten wir gestern zumindest noch darüber nachgedacht, die hiesigen Fjorde zu erwandern, nahm uns die Windstärke diese Entscheidung ab. Niemand wandert bei solch einem Wetter. Zwar schien auch die Sonne, doch der Mistral war so frisch, dass er wie hundert Nadelstiche auf der Haut schmerzte. Im wahrsten Sinne des Wortes packten wir in Windes Eile und brachen vom nicht all zu schönen Campingplatz in Cassis auf, der allerdings den Vorteil hatte, auch jüngeres Publikum anzuziehen, zu dem ich mich aus welchen Gründen auch immer zähle.
Garmin schlug wieder einmal vor, mitten durch Marseille zu fahren, ich lehnte das mit einem Knopfdruck ab und wählte somit eine Strecke östlich davon. Binnen nicht einmal einer Stunde erreichten wir den Campingplatz in Aix, das wäre also vor zwei Tagen die ideale Strecke gewesen. Das brachte uns jetzt nicht weiter, aber ich empfinde so etwas immer als zumindest interessant: einen besseren Weg für etwas zu finden, auch wenn die Sache bereits nicht mehr wichtig ist. Ich glaube – abgesehen natürlich von Strecken – dass uns das im Leben weiterbringt, denn man kann nie wissen, wann wir eine ähnliche Situation nochmals erleben, in der wir dann besser bestehen können, weil wir das Wissen um den Erfolg schon gesammelt haben.

Diesmal wollten wir nicht nach Aix, endlich war das Luberon unser Ziel. Vor einem Jahr hatten wir hier fast die Hälfte unseres Urlaubs zugebracht, was damals nur einige Tage waren. Auch diesmal erschien es uns so wie ein nach Hause Kommen. Keine Ahnung warum, aber als sich die sanften Hügel vor uns erstreckten, wir durch winzige Orte mit historischen Kernen fuhren, fühlten wir uns beide einfach wohl. Sicher bleiben wir wieder eine Weile, die Gegend wirkt einfach goldrichtig..
Unser Ziel war ein Campingplatz bei Cadenet. Garmin spielte uns vorher so manchen Streich, viele Kilometer entfernt wollte sie uns auf eine Piste schicken, die kaum befestigt und nach den Regenfällen durchaus nicht so fest aussah wie sicherlich im Hochsommer. Ich lehrte das ab, in dem ich weiter fuhr, doch störrisch beharrte Garmin darauf, mich zum Wenden zu bewegen. Als sie zweimal keinen Erfolg damit hatte, berechnete sie beleidigt eine neue Route, die uns auf fester Strecke ziemlich sicher ans Ziel brachte. Warum also nicht gleich so?

Auf dem Platz angekommen, musste ich den Camper abstellen und erst einen Platz suchen. Ohne wirklich hinzuschauen, hatte ich mich direkt in die Einfahrt gestellt. Wie lang am Ende die Schlange war, die sich innerhalb von wenigen Minuten gebildet hatte, vermochte ich nicht zu sagen. Es waren hauptsächlich Franzosen, die hatten warten müssen und ich fühlte tiefe Befriedigung. Endlich habe auch ich sie erwischt. Nachdem sie mich schon was weiß ich wie viele Stunden in Schlangen an Supermärkten oder Märkten gekostet haben, konnte ich heute zurückzahlen. Endlich. Auch wenn es Nina peinlich war – sie hatte mich griesgrämig aus dem Rezeptionsgebäude geholt – empfand ich keine Schuld. Höchstens Freude. Schadenfreude. Ich weiß, das ist niedrig, aber manchmal sind es auch die kleinen Dinge des Lebens, die es so entzückend machen.

Heute ist Sonntag, und wie als wenn eine innere Uhr in uns tickte, empfanden wir keinen Grund zur Eile.
Ich konnte in Ruhe eine längere Zeit an der gotischen Novelle arbeiten während Nina dem Wind draußen zuhörte. Erst recht spät am Nachmittag liefen wir in die Stadt, die sich uns völlig ausgestorben präsentierte.
Cadenet sieht von Weitem wesentlich markanter aus, als es wirklich ist. Erst fanden wir das Zentrum nicht, sondern liefen durch die leeren Gassen, immer in der Hoffnung, auf etwas Interessantes zu stoßen. Diese Hoffnung erfüllte sich anfangs nicht, zwar entdeckten wir eine Kirche, aber das interessiert mich zurzeit nicht besonders. Also entschieden wir uns, die Burgruine zu suchen, die der Rough Guide so empfohlen hatte. Es war ein kurzer, wenn auch steiler Weg, genau das Richtige also für müde Beine.
Doch es lohnte sich. Bereits auf halber Strecke sah ich mich um, die sanften Hügel des Luberon hinter mir, die Dächer der Stadt plötzlich wieder markant und charmant, wir mussten einfach nur weiter laufen, um diesen Besuch zu einem echten Erlebnis werden zu lassen. Oben angelangt, gingen wir gleich auf den höchsten Punkt zu, krümelnde, ungesicherte Treppen machten das Ganze dann auch zu einer Art Abenteuer. Ich mag es, wenn nicht alles bis ins letzte Detail gesichert ist. Natürlich muss man wie hier aufpassen, denn es geht doch an einigen Stellen sehr steil in die Tiefe, aber das ist nun einmal so, wenn man nach oben steigt. Wir genossen die herrliche Aussicht, ohne Eile konnten wir sie bewundern, denn nichts drängte uns. Felder und Weinflächen wechselten sich ab, der Wind ließ nach, so dass uns die Sonnenstrahlen aufwärmen konnten. Es war wie abgepasst, denn später blies er wieder heftiger.

Die Ruinen erkundeten wir danach, es ist nicht mehr viel übrig. Einen Brunnen testeten wir mit einigen Steinen auf seine Tiefe, was uns sehr schwer fiel, aber ich denke, dass es mindestens 20 Meter hinunter ging. Abschließend haben wir diese Frage noch nicht diskutiert. Ansonsten gab es jede Menge Räume, in denen die örtliche Jugend ihre Spuren hinterlassen hat – Flaschen, Zigarettenkippen und Kondome lagen dort herum. Warum auch nicht, der Ort hier lädt dazu ein, dachte ich mir.

Beim Abstieg entdeckten wir auch das Zentrum, an dem wir vorher immer vorbei gelaufen waren, ohne es zu sehen. Hier fanden wir auch zwei geöffnete Cafés und wir sahen einige Menschen. Also lebte der Ort, vorher waren wir uns nicht sicher.
Morgen wollen wir einige Dörfer in der Gegend erkunden, auch ist in Cadernet Markttag. Ich verspreche mir viel davon, denn es ist anscheinend ein vom Tourismus übersehener Ort, der an Wochentagen bestimmt seinen Charme zeigt.
Jedenfalls ist es gut, dass wir hier sind. Jetzt muss nur noch der Mistral aufhören. Und wärmer muss es werden. Zwei Wünsche auf einmal? Finde ich nicht zu viel verlangt....
 

Cadenet1

Cadenet am Sonntag. Völlig verlassen.

Aussicht auf Cadenet

Malerische Aussicht auf das Luberon und das Dorf.

Burgruine Cadenet

Die Burgruine liegt herrlich.

Burgruine Cadenet2

Überwucherte Ruinen haben Charme.

Burgruine Cadenet3

Die Natur holt sich zurück, was ihr gehörte.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

buch seelenfesseln klein 3

NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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