Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Fahrt nach Sizilien

10.10. Adasi

Zumindest das heutige Datum ist interessant. Alles andere zum Glück auch. Nach einer nicht mehr so kalten Nacht hatte sich mein Schnupfen etwas zurückgezogen. Um acht hörte ich jedoch, wie die Regentropfen auf das Dach trommelten. Heute empfand ich das als nicht so schlimm. Was mir in letzter Zeit häufig durch den Kopf geht, sind die Erinnerungen an die Reise. Im Geiste wandere ich zurück, an die Orte, die ich besucht habe. Ob das schon ein Abschied auf Raten ist? Das möchte ich so noch nicht denken.
In jedem Fall ließ ich mir etwas länger Zeit, es war schließlich Sonntag und sehr viel hatte ich nicht vor. Eigentlich war meine Wahl völlig richtig, denn als ich bereit war zu frühstücken, kam die Sonne langsam heraus. Auf diese Weise war es ausgesprochen angenehm. Denn das erste Mal seit Langem konnte ich in den prallen Strahlen sitzen, die Wärme genießen. Vorher wäre es mir zu heiß gewesen, aber die nicht mehr so intensive Herbstsonne ist die wundervollste, denn von ihr kann ich mich angenehmstens bescheinen lassen. Ich vergaß sogar die Sonnenmilch, verbrannt habe ich mich trotzdem nicht. Ich schloss auch gleich eine Schreibsession an, es lief großartig. Sogar das Internet störte mich nicht, es wird eigentlich immer besser. Die Geschichte beginnt, mich zu absorbieren. Sie wird immer spannender, so dass ich mich dabei ertappte, mehr zu lesen, als zu korrigieren. Das ist natürlich Unsinn, denn ich weiß ja, wie es ausgeht, doch ein gutes Zeichen ist es dennoch.

Ein Schweizer Pärchen half mir danach, wieder Luft in den Reifen meines Fahrrades zu pumpen. Zwar hatte ich eine Luftpumpe dabei, die allerdings schon bei der ersten Benutzung ihren Dienst quittierte. Die Befürchtung, einen Platten zu haben, stellte sich als unbegründet heraus. So mag ich das. Beinahe verpasste ich danach die Möglichkeit, in den Ort zu fahren, denn die Unterhaltung mit den Beiden breitete sich in meinen Tag aus, absorbierte ihn beinahe. Eine Atempause nutze ich, um mich zu verabschieden. Leider befand sich zwischen Adasi und Campingplatz ein beachtlicher Berg, der vor dem Platz anfing, in der Mitte scheitelte, abfiel und dann vor dem Ort aufhörte. Hieß also, die Hälfte der Strecke bergauf zu schieben. Schön war dann die Abfahrt, einfach laufen lassen und dem Fahrtwind zuhören. Allerdings spüre ich noch die Erkältung, die mir etwas Kraft geraubt hat, aber abklingt.

Adasi selbst gefiel mir. Ein kleiner Hafen samt Promenade, auf der die Türken entlang schlenderten. Eine Reihe von Restaurants sorgen dafür, dass niemand Hungers leiden muss. Außer den Katzen natürlich, die hier zu Hunderten hausen. Eigentlich gab es hier nichts Besonderes, einfach nur einen malerischen Blick auf das Meer und viele kleine Inseln. Natürlich kann man von hier auch Lesbos sehen, nur von einer anderen Seite. Eine Büste von Atatürk fiel mir besonders auf. Der türkische Staatsgründer ist ausgesprochen wahrheitsgetreu dargestellt. Seine Nase, ist knubbelig und groß, es ist die erste Darstellung, die ich sehe, die die Alkoholsucht nicht verheimlicht. Eine echte Raki-Nase eben. Oft geht es eben einher, das Genie und die Selbstzerstörung. Eigentlich selten, dass ein Genie einmal keine Abhängigkeit für seine Werken benötigt. Ob ich mir auch eine zulegen sollte?

Viel gab es nicht zu tun. Auf dem Rückweg setzte ich mich in eine Bar und bestellte endlich meinen ersten türkischen Tee. Er schmeckte nicht schlecht, doch merke ich selbst jetzt noch, dass ich eigentlich keinen vertrage. Zu stark ist die Dröhnung, zu lang anhaltend. Statt des kurzen Putsches des Espressos, nach dem ich sogar schlafen kann, wenn er meine Energie zu neuen Leveln gepumpt hat, schaffe ich das bei Tee nicht. Gerade jetzt zweifle ich daran, ob ich nachts Ruhe finden werde. Vielleicht geht es mit Raki. Wir werden sehen.
Die frische Luft hatte mich hungrig gemacht. In ein Restaurant wollte ich nicht, aber ein Fastfood-Laden wäre genau richtig. Also suchte ich einen, der Besitzer bereitete gerade eine Art türkische Pizza im Holzofen zu. Sie sah verführerisch aus, also bestellte ich eine. Natürlich hatte ich den Kardinalsfehler begangen, nach vier Wochen Marokko sollte so etwas eigentlich nicht passieren. Denn als es ans Bezahlen ging, spielte sich folgende Szene ab:
„Neun Lira“
(verdutzt)“Aber der Kunde vorher hat doch nur fünf gezahlt und hatte noch eine Cola.“
„Das war etwas anderes“
„Nein, war es nicht, ich habe das nur bestellt, weil es so gut aussah.“
„Das war anders. Neun Lira.“
Ich konnte nichts machen. Selbst schuld, man fragt vorher, wenn es zu teuer ist, geht man eben wieder. Trotzdem finde ich es nicht richtig, von Ausländern generell höhere Preise zu nehmen. Allerdings wird es mir auch nicht noch einmal passieren, man muss eben immer vorher fragen. Draußen steht nie etwas dran. Wieder eine Lehre also.

Ich setzte mich auf eine Bank am Hafen, natürlich war sofort eine Katze da. Ich glaube, die Viecher sind wie marokkanische Straßenhändler. Die schauen einen auch nur an und schätzen dich ab, wie viel sie aus dir herauskriegen können. Allerdings sind Katzen aufgrund ihrer Größe nicht ganz so aufdringlich. Ein Viech kam vorbei und blinzelte mich an. Ich frage mich, ob sie das gelernt hat. Zieht sicher bei Frauen. Bei mir nicht. Ein recht kleiner schwarzer Kater sah mich, schaute kurz, merkte, dass ich nichts mehr in der Hand hielt und ignorierte mich. Schlauer Kerl. Guter Menschenkenner.

Die Rückfahrt war genauso wie die Hinfahrt. Erst schieben und zwar kräftig, dann ein fröhliches Laufenlassen. Ich glaube, ich habe heute nicht ein einziges Mal in die Pedale getreten. Doch. Einmal. Aus Versehen beim Hinunterfahren. Ich wäre fast gestürzt.
Morgen fahre ich weiter, denn der Campingplatz ist zwar schön gelegen, stellt sich aber immer stärker als vollkommene Ruine heraus. Nicht einmal einige Wasserflaschen wollte ich füllen, denn es stinkt gewaltig aus den Rohren. Meine Magenprobleme habe ich hinter mir, neue will ich nicht.
Der Süden ist meiner. Ich denke, dass ich gleich nach Izmir durchfahren werde. Danach kann ich es ruhiger angehen lassen, aber so viel Zeit habe ich dennoch nicht mehr. Zweieinhalb Wochen, dann muss ich in Antalya sein. Die Türkei ist groß. Beinahe hatte ich vergessen, wie groß. So aber wird es stressfrei.
Und das ist gut so...
 

Adasi1

Adasis Strandpromenade ist genau das Richtige für einen Sonntagsspaziergang.

Adasi2

Im kleinen Ort am Meer kommt keine Hektik auf.

Adasi3

Eine Statue von Atatürk. Ziemlich realistisch.

Adasi4

Wenn ich mir dieses Foto ansehe, höre ich beinahe das Meer.

Adasi5

Der Derwisch und die Ruine.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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