Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Marokko

03. + 04.4.

(geschrieben am 5.4.) Oh Weh, gestern habe ich gar nichts geschrieben. Hohle ich also heute nach. Eigentlich fehlen zwei Tage, denn in Nantes war ich auch Vorgestern, das hatte ich noch nicht.

Zu meiner Entschuldigung, ich bin gestern und heute jeweils ca. 10 Stunden gefahren. Gestern war ich zu müden, heute eigentlich auch. Aber ich probier's trotzdem mal. Gestern Morgen habe ich Laurence und Julien samt Kindern nach dem Frühstück verlassen. Die beiden Kinder haben ihre Schüchternheitsanfälle abgelegt und mich mit ihrer Lebendigkeit überfordert. Das geschieht schon mal, auch weil wir ein kleines Kommunikationsproblem hatten. Ich habe sie letztlich einfach reden lassen, denn wie ich bald heraus bekam, stellen Kinder selten Fragen, sondern erzählen eben fast nur. Das klappt dann meist ganz gut mit einem unsozialen, kinderunerfahrenen Typen wie mir.
Nach meinem Aufbruch dachte ich darüber nach, dass sich der kleine Umweg nach Nantes wirklich gelohnt hatte, denn es war genauso, wie ich es erwartet hatte. Die Jahre hatten unserer Freundschaft nichts getan, trotzdem war es allerhöchste Zeit, dass wir uns wieder gesehen haben. Ein wenig Wehmut verspürte ich schon auf der Strecke, ich vermisste meine Freundin schon jetzt ein wenig. Ich empfand das als gut.

Meine Etappe sollte mich bis kurz vor Biaritz führen, ich hatte mir einen Campingplatz am Meer ausgesucht. Dachte ich zumindest, denn er hieß „Camping a la Coté“. Die Fahrt selbst war sehr anstrengend, denn ich war auf allen möglichen Landstraßen fast 10 Stunden unterwegs, kam wie gerädert auf dem Campingplatz an. Dass das Meer dann doch noch 10 Minuten mit dem Fahrrad entfernt war, enttäuschte mich ein wenig, doch ich ließ nicht locker und sattelte auf. Es war nicht nur windig, sondern stürmisch, aber die hohen Dünen und der Wald zwischen dem Campingplatz und dem Meer verhinderten, dass der Sturm den Camper erreichte. Endlich hatte ich die Dünen erklommen und war froh, ein Kapuzenshirt zu tragen, denn es wehte mich beinahe um. Die Brandung war mörderisch, die Wellen sicher 8 bis zehn Meter hoch. Wild war es, doch wunderbar anzusehen, nach einem Tag auf dem Bock, immerhin ein kleines Erlebnis an diesem Tag.
Die Abfahrt heute Morgen lief dann jedoch alles andere als erwartet. Irgendein irrwitziger Osterlauf fand statt und eifrige Helfer hatten bereits die Straße gesperrt, die Garmin mir auf dem Weg in den Süden ausgesucht hatte. Sie kam leider gar nicht mit dem Umweg zurecht, sondern empfahl mir alle 200 Meter dringend zu wenden, was ja nun mal nicht ging, denn de Straße war immer noch gesperrt. So kam es, das ich mich trotz Garmin verfuhr und bereits zu Beginn meiner Etappe innerhalb weniger Minuten eine ganze Stunde auf meine geplante Ankunftszeit verlor. Irgendwie fand ich dann doch einen Weg, aber dieses Glück hielt nicht lang. Zu allem Überfluss kam der Verkehr an der französisch/spanischen Grenze ins Stocken und die nächsten zwei Stunden bewegte ich mich höchstens im Schritttempo. Eigentlich hatte ich schon da keine Lust mehr und hätte am liebsten einen Campingplatz gesucht. Doch nichts da, wir sind ja keine Schattenparker, also biss ich mich durch, ab und zu aber auch beinahe in mein Lenkrad. An eine Szene kann ich mich besonders erinnern, denn ich ließ ein Fahrzeug vor mir einfädeln, da drängelte sich einfach ein winziger VW ebenfalls an mir vorbei. Der war gar nicht an der Reihe, das Fahrzeug hinter mir hätte ihn hineinlassen müssen. Ich fluchte und schimpfte, aber nicht lang. Denn wir beide standen ohnehin erst einmal. Eine halbe Stunde später befand sich dieser freche Kerl immer noch vor mir. Letztlich waren wir keine hundert Meter weiter gekommen. Wie töricht, sich vorher über diese kleine Dreistigkeit aufzuregen. Er hatte nichts gewonnen, ich nichts verloren. Außer meine Contenance und ich machte mir einen gedanklichen Knoten, dass ich in Zukunft etwas mehr darüber nachdenken werde, bevor ich die Beherrschung verliere. Manchmal ist es das nicht wert. Wahrscheinlich meistens.
Ich war in fast 4 Stunden nur 70 Kilometer weit gekommen, musste erst einmal Pause machen und stellte fest, dass die Spanier viel weniger für Sprit zahlen müssen als wir. Freudig füllte ich also den Tank, Der Unterschied zu einer Tankfüllung in Deutschland machte nicht einmal 10 Euro aus, doch manchmal sind es ja die kleinen Freuden, die einem so gute Laune bereiten können. Der Rest der Strecke lief dann sehr gut, Garmin spielte mir bei Burgos einen Streich, den ich ihr verzieh. Sie lotste mich von der Hauptumgehungsstraße hinunter, um mich durch den Osterverkehr am Zentrum vorbei zu steuern. Dann, nach einigen roten Ampeln und längerem Stehen, musste ich am anderen Ende wieder auf die Umgehungsstraße hinauf, dann bemerkte ich erst die Schelmerei. Witzig, sehr witzig. ich verzieh ihr, denn vor wenigen Stunden hatte sie mich in San Sebastian durch kleinste Straßen an einem Mörderstau vorbei geleitet. Frauen. Meist recht nützlich, aber verkehrstechnische Logik sollte man nicht erwarten.
Ich erreichte mein Ziel Salamanca nach ca. 10 Stunden, es ist mal wieder sehr spät, doch jetzt werde ich mein Osterdinner kochen. Ich freue mich schon auf ein kleines Gläschen Wein, denn das habe ich mir in den letzten beiden Tagen verdient. Morgen fahre ich nicht so weit, Merida soll das Ziel sein. Vielleicht komme ich dort dazu, doch noch einen kurzen Abstecher in die Stadt zu machen. Das vermisse ich im Moment, es ist ein viel zu flüchtiges Reisen. Einige Dinge bekomme ich zwar zu sehen, doch ohne Tiefe entgeht mir die Atmosphäre und der Zauber eines Ortes. Deshalb fahre ich heute Abend auch nicht mehr nach Salamanca, das ist auf die Dauer zu frustrierend. Ich sehne mich bereits danach, in Marokko anzukommen, um auch mal eine Weile an einem Ort zu verweilen und ihn richtig entdecken zu können. Im Moment ist es eher die Anreise, mit dieser Tatsache halte ich mich über Wasser und ertrage meine Oberflächlichkeit bei den Besuchen. Denn die ist es ja, die ich so gerne ablegen möchte. Zeit will ich, um kennenzulernen. Nicht gedankenlos abzuhaken. In zwei bis drei Tagen beginnt meine Mission.
Wenn ich auf der Fähre nach Tanger bin.

Ein Abend am Atantik

Fast hätte es mich weggepustet

Ein Abend am Atantik 2

Aufgewühltes Meer - das Foto drückt die Stimmung kaum aus

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

buch seelenfesseln klein 3

NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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