Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Griechenland

27.08. Durres

Ein Gutes hat die Hitze wirklich, sie scheucht einen ohne Gnade aus dem Bett. Ich mag es, früh aufzustehen, denn es wird nun doch schon sehr früh dunkel. Wenn ich an die Zeit vor zwei Monaten denke, als ich mit Nina gerade in der Provence war und wir bis um zehn Uhr abends vor dem Camper in der Dämmerung saßen, wird mir anders. Es sind die ersten Anzeichen dafür, dass die Flut zurückgeht und die Ebbe kommt. Zumindest was das Licht angeht. Der Winter schreitet voran, ebenfalls ohne Gnade. Allerdings ist es schon ein eigenartiger Gedanke, bei 35 Grad im Schatten an den Winter zu denken. Dennoch, wir befinden uns auf dem absteigenden Ast, auch wenn die Temperaturen noch halten.

Heute stand mir also die Fahrt ins Herz von Albanien bevor. Ich kämpfte mit mir, ob ich nicht doch in die Hauptstadt Tirana fahren sollte, sie lag auf dem Weg. Aber ich hatte einfach keine Lust darauf. Die Fahrt selbst war chaotisch wie noch nie auf der ganzen Fahrt. Wenn man es ernst nimmt, bekommt man schlechte Laune, also beschloss ich, alles mit einer Prise Humor zu nehmen. So oft bin ich in meinem ganzen Leben noch nicht geschnitten worden, Beinahe-Kollisionen und anderen Kalamitäten wich ich so gut es ging aus, mit Erfolg, denn es kam zu keinem Kontakt, auch wenn das an ein Wunder grenzt. Die Straßen, am Anfang noch gut, ließen qualitativ gehörig nach, so dass ich meine ganze Konzentration benötigte. Doch den einen oder anderen Blick auf die Gegend konnte ich wagen. Ich war stark an Marokko erinnert, wobei ich mich des Gefühls nicht wehren kann, dass in dem afrikanischen Staat eine energetischere Aufbruchstimmung herrschte. Aber auch hier entstehen sichtlich Straßen und Gebäude, auch wenn ich niemanden wirklich daran arbeiten gesehen habe. Aber das kann an allen möglichen Umständen gelegen haben.

Auf der Strecke sah ich eine ganze Reihe von Polizisten, die Radarkontrollen durchführten. Echte Raser sind mir bislang nicht vorgekommen, wie auch. Doch das hält anscheinend den Staat nicht davon ab, seine Devisen aufzubessern, denn ich sah besonders viele ausländische Fahrzeuge, deren Besitzer ganz eindeutig gehörig zur Kasse gebeten wurden. Besonders an einer Stelle, auf einer dreispurigen Straße, standen plötzlich Schilder mit der Aufschrift „20“. Ich empfand das als Witz, hielt mich allerdings ein wenig mehr daran als die anderen. Von denen einige einen Kilometer später angehalten wurden. Die staatliche Abzocke ist also überall am Werke. Kein Wunder also, dass Leute sich das Geld anders wiederholen, zum Beispiel bei den Steuern. Aber das ist eine endlose Diskussion. Und eine Frage nach der Henne und dem Ei.

Noch einmal wurde ich in Versuchung geführt. Tirana links, Durres rechts. Ich blieb bei meiner Entscheidung. Die Hauptstadt Albaniens muss bis zum nächsten Mal warten, dann ist es vielleicht auch nicht so heiß. Ich erreichte ohne Probleme den Campingplatz bei Durres, allerdings hatte mich die kurze Fahrt von ungefähr 120 Kilometer mehr als drei Stunden Zeit gekostet. Stau und gewöhnungsbedürftige Straßen hatten ihren Teil gefordert. Wenigstens lag der Platz im Schatten, unter einem dichten Teppich aus Ästen und Nadeln fand ich endlich Schutz vor der sengenden Sonne. Der Besitzer teilte mir mit, dass dies der erste Campingplatz in Albanien sei, da ist man sich anscheinend noch nicht ganz einig. Denn das hatten die holländishcen Betreiber des Platzes in Bushat auch behauptet. Dieser hier liegt direkt hinter einem Hotel und ist schlimmer als rudimentär. Für diese Nacht wird es gehen. Während ich mich kurz ausruhte und eingewöhnte, schob sich eine Wolke über das Land und bedeckte uns mit Nebel. Sofort wurde es kühler, eisig beinahe. Hatte ich mit dem Winter doch nicht so verkehrt gelegen?

Viel war vom heutigen Tag nicht mehr zu erwarten. Also lief ich los, zu dem grandiosen Strand, von dem ich so viel gelesen hatte. Vielleicht war ich auch mit dem Gedanken gestartet, es zu Fuß ins 15 Kilometer entfernte Durres zu schaffen. Das war natürlich aussichtslos, aber immerhin wäre es wohl möglich gewesen, der Strand ist wirklich so lang. Ich lief also los, entlang an Reihen von Liegestühlen, an Sonnenbadenden und Fußballspielern. Ich kam mir vor wie ein Außerirdischer. Ich kann nicht anders, doch zu dieser Gruppe, die hier so zahlreiche Anhänger hat, werde ich nie zählen. Mir ist das ein Graus und ich nehme mir zum wiederholten Male vor, nicht noch einmal an einen solchen Ort zu fahren. Zum Glück ist die Hauptsaison nun wirklich bald vorbei. Ich wiederhole mich.

Ich schaffte viele Kilometer, sicher die Hälfte der Strecke bis in die Stadt. Die Strandlinie ist bereits wüst bebaut, die Gegend wartet auf den Beginn des Tourismuszeitalters. Natürlich kommen die schon, aber es sind nicht die Richtigen, wie mir einige Albaner mitteilten. Aus Westeuropa sollten sie stammen, nicht die Verwandten aus Italien oder sonst woher. Echte. Ich also. Zum Beispiel. Dabei musste ich gewaltig aufpassen, denn gerne nehmen sie hier Euro, zu einem unmöglichen Wechselkurs. Auch das haben sie also mit den Marokkanern gemein. Mittlerweile aber war ich mit Lek eingedeckt, so dass ich ohne Schwierigkeiten bezahlen konnte.
Nach einer weiteren Schreibsession, die ich eigentlich heute auslassen wollte, machte ich mich wieder auf den Heimweg. Um kurz nach zwölf war ich losgegangen, erst um kurz vor fünf kam ich wieder am Camper an. Es hat sich also gelohnt.

Ich habe aber ein Problem: Ich mag es hier nicht. Keine Ahnung warum, aber es ist so. Sicher schaue ich mir die Stadt morgen an, aber ich werde hier nicht alt. Vielleicht warte ich den Sonntag ab, um nach Griechenland zu reisen. Wir werden sehen. Albanien ist das letzte der Balkanländer. Es war insgesammt eine unglaubliche Erfahrung. Ich rechne meine Einreise nach Slowenien bis hierher als eine Etappe, im Groben zumindest. Viele Wochen sind seither vergangen. Manchmal kommt mir die ganze Fahrt merkwürdig vor. Die Eindrücke kommen wieder, Bilder, die lebendiger wirken als sonst. Es ist eine reine Erfahrung, die ich mit möglichst offenem Geist verwirklicht habe. Ich bin sehr zufrieden damit und meinem Ziel näher gekommen, das Schöne in der Welt besser zu verstehen und es noch eher zu erkenne. Auch wenn ich ab und zu ebenfalls über das Hässliche stolpere. Wie gesagt, die Müllberge hier.....
 

Strand bei Durres

Strand bei Durres: Plötzlich lag alles unter einer Wolke.

Strand bei Durres2

Gespenstische Bilder, denn der Himmel schien überall blau hindurch.

Strand bei Durres3

Dieses Wrack liegt in Ufernähe. Das Schiff sah sicher einmal besser aus.

Strand bei Durres4

Bald war der Nebel verschwunden.

Strand bei Durres5

Fischer versuchen, ein Netz zu bergen. Der Fang fiel dürftig aus.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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