Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Marokko

07.04. Tarifa

Jetzt bin ich da, in Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas, sollte die Türkei noch nicht dazu zählen. Langsam kommt es, das Gefühl von unendlicher Zufriedenheit. Jetzt verstehe ich, warum es vorher noch nicht so intensiv gespürt habe, denn die Strapazen der Reise haben von Anfang an auf die Stimmung gedrückt. Die liegen jetzt hinter mir, in vielen Stunden auf der Straße, nach eisigen Nächten und unzähligen viel zu flüchtigen Eindrücken bin ich angekommen. Am Anfang sozusagen. Ich habe es mir verdient, erarbeitet, viel Energie aufgewendet, um hier zu sein. Das fällt jetzt ab und nicht eine Sekunde bereue ich. Nein, die Anstrengung verwandelt sich sogar in eine Art glorreiche Strecke, die mit jeder Sekunde an Schönheit gewinnt, mit der sie vorbei ist. Ich weiß, dass ich anscheinend noch nicht so weit bin, es in dem Moment, in dem ich es erlebe, wirklich zu schätzen zu wissen. Das ist zwar schade, aber gibt mir noch einige Aufgaben, die ich im Leben zu erledigen habe. Denn ich will jede Sekunde spüren, auch die harten, die mich so unendlich weit bringen. Denn alles, was ich bisher im Leben erlebt habe, führt hier her, an diesen Punkt. Und der ist herrlich, gewaltig.
Vielleicht kann man das mit dem Weg eines Bergsteigers vergleichen. Schon die Strecke ist doch schön und der Bergsteiger hält sicher ein ums andere Mal inne, um sich umzuschauen. Natürlich ist dann das Erreichen des Gipfels eine echte Belohnung, doch auch wenn er ihn nicht erreicht, ist er unendlich reicher an Eindrücken und Erfahrungen, wenn er es denn geschafft hat, die Momente zu genießen und auch als solche wahrzunehmen.
Mit dem Leben ist es zuletzt genauso. Es gibt harte Strecken, die wir gehen, manchen Weg scheuen wir, denn er erscheint uns zu schwierig. Manche von uns gehen ihn trotzdem, einfach um herauszufinden, wo diese Wege hinführen. Natürlich landen manche von ihnen in der Sackgasse, so dass wir umkehren und einen anderen wählen müssen. Das gehört zum Leben. Trotzdem geben manche von uns nicht auf, gehen wieder neue Wege und stehen irgendwann vielleicht an einem Punkt, an dem ich jetzt stehe. In einer vielleicht von Selbstüberschätzung geprägten Sekunde möchte ich glauben, dass auch ich zu diesen Menschen gehören, die sich einfach einmal trauen, einen solchen unbekannten Weg zu gehen.
Letztlich, das hat mir das Leben bereits beigebracht, gibt es keine Schönheit ohne Irrwege, Niederlagen und Überforderung. Erst wenn wir diese überwinden lernen, werden die Siege noch glänzender.

Vorhin habe ich die Fährtickets gekauft, morgen um 13 Uhr geht mein Boot nach Afrika. Statt der 330 Euro bekam ich von der charmanten Angestellten von FRS einen Spezialtarif von 185, für ein Ticket mit frei wählbarer Rückkehr-Option. Ein gutes Geschäft, wie ich finde.
Danach spazierte ich noch am Hafen entlang, sah die Fähre, die bald ablegen würde. Auf einer ähnlichen werde auch ich morgen sein und die wenigen Kilometer nach Afrika zurück legen, somit das erste Mal in meinem Leben auf dem schwarzen Kontinent sein. Es ist ein berauschendes, erhebendes Gefühl, nicht frei von Furcht, doch die hält mich sicher nicht zurück.
Ich mag Häfen, sie sind noch interessanter als Flughäfen. Die Boote sind nahbarer, natürlicher. Vielleicht liegt es auch am Meer selbst, vor dem ich zwar großen Respekt habe, doch fühle ich mich immer hierher gezogen. Anders als das Reisen in der Luft. Bootsfahrten finde ich immer beruhigend, ich könnte stundenlang auf Fähren zubringen, bekomme nie genug vom azurblauen Wasser, den sanften Bewegungen der Wellen und der meist stetig frischen Brise, die so besonders riecht, dass selbst ich es wahrnehme. Mein Geruchssinn ist der bei mir am wenigsten entwickelte Sinn.
Vielleicht romantisiere ich, aber ich bewundere die Fischer, die täglich auf ihren alten, verrosteten Kuttern aufs Meer fahren und dort arbeiten. Es müssen sehr zufriedene Menschen sein, hart gemacht von der Natur und sicher ohne viele Eitelkeiten. Das, was sie täglich einholen, habe ich vorhin auf dem Markt gesehen. Ich kenne mich zwar nicht aus, aber so stark hat es selten nach frischem Fisch gerochen. Es ist nur eine Annahme, aber ich möchte glauben, dass es frischer einfach nicht geht. Die Krebse zappelten noch, die Augen der Fische waren noch nicht trüb wie so oft bei ihren Artgenossen in Supermärkten.

In diesem Moment sitze ich in einem kleinen Hof unter Orangenbäumen, um mich herum findet das übliche Leben statt, Einheimische und Touristen gehen in der Medina Tarifas ihren Beschäftigungen nach. Alles geschieht mit äußerster Gelassenheit, ohne dass Leute jedoch nachlässig scheinen. Diese Art tut mir gut, der ich eher hektisch und unausgeglichen bin. Vielleicht kann ich hier lernen und einfach eine Spur ruhiger werden.
Tarife selbst ist ein Gewirr aus Straßen, die definitiv einen maurisch/arabischen Touch haben. Viele Gebäude sind mit Fliesen geschmückt, Fenster haben Formen, wie sie auch in der Alhambra in Granada zu finden sind. In diesem Gewirr werde ich mich ein wenig verlieren, es scheint mir die beste Art, etwas vom Lebensgefühl dieses Ortes mitzubekommen. Jedenfalls sehe ich bereits eines: Diese Stadt hat Patina: Die Farbe blättert ab, viele eiserne Balkone sind sichtlich bereits mehrfach überstrichen und zeigen Spuren von Rost. Mir gefällt das ja, nicht perfekt, sondern mit einem Charme des Alters, vom Hauch des nahen Meeres geprägt.

Eigentlich ist es noch früh am Tag, so dass ich die Atmosphäre noch ein wenig genießen werde.

Tor zur Medina

Das maurische Tor zur Altstadt Tarifas

Hafen Tarifa

Fischerboote im Hafen

Felsen bei Tarifa

Das Meer ist in Tarifa allgegenwärtig.

Medina Tarifa

Der richtige Ort für einen Kaffee

Abend am Rande Europas

Der letzte Abend in
Europa?

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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