Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Griechenland

26.08. Shkoder

Scorching! Das ist das erste Wort, das mir für heute einfällt. Der Campingplatz in Bushat befindet sich auf einem baumlosen Gelände. Was das heißt, kann sich jeder denken. Bereits um sieben Uhr stand der Camper unter erbarmungsloser Bestrahlung. An Schlaf war unter diesen Umständen nicht mehr zu denken, also im Grunde keine schlechte Sache. Auf der anderen Seite gewann mein Vorhaben, die 20 Kilometer in die Stadt mit dem Rad zu fahren immer weniger Anhänger, bis der einzige Unterstützer, nämlich ich selbst, davon abrückte. Ich weiß auch nicht, was mich gestern geritten habe, so etwas auch nur ansatzweise in Betracht zu ziehen. Immerhin war ich um kurz nach acht unterwegs, trotzdem waren es bereits weit über 30 Grad.

Einmal ein Wort über das Autofahren in Albanien: Ich habe eine Menge Erfahrung damit, bin in Rom und Paris gefahren, jahrelang in England auf der rechten Seite, aber das, was ich hier erlebt habe, schlägt dem Fass der Boden aus. Hier muss man sogar darauf achten, ob ein Fahrer sein Gefährt gerade startet, denn er wird nicht warten, bis der Verkehr neben ihm vorbei gefahren ist, er wird auch nicht blinken, sondern einfach das Lenkrad einschlagen und fahren. Verzweifeltes Hupen ignoriert er, auch wenn es nicht böse gemeint war, sondern nur Ausdruck von Angst und Schrecken. Dass Leute mich an den unmöglichsten Stellen überholen, empfinde ich nicht mehr als Bedrohung. Aber dass ich mich hinter eine Hochzeitsgesellschaft einreihen musste, die im Schritttempo nach Shkoder fuhr, ließ mein Blut dann doch kochen. Es gab keine Chance, an sicher 30 Fahrzeugen vorbei zu kommen. Einige versuchten es, ich glaube nicht, dass sie über das zehnte Gefährt hinauskamen. Aber letztlich kommt man immer an, egal ob eine Minute schneller oder langsamer. Also wozu die Aufregung?
Shkoder empfing mich wie auch alle anderen Städte in Albanien bis jetzt: Es war heiß und dreckig. Bislang hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, die Transe irgendwo abzustellen, aus Angst, sie könnte aufgebrochen werden. Hier fehlte diese Befürchtung, direkt an der Hauptstraße fand ich genug Platz. Und da neben mir eine ganze Reihe von italienischen Autos standen, die entweder Sterne oder vier Ringe trugen, denke ich, dass das Risiko doch sehr gering war. Dabei fällt mir die Geschichte der zwei Freunde und dem Bären ein, das Untier tauchte plötzlich auf. Einer der Freunde zieht daraufhin Turnschuhe an. Auf die Frage des anderen Freundes, ob er denke, dass er damit schneller als der Bär wäre, antwortet er: „Nicht schneller als der Bär, aber schneller als du.“
Gemein.

Der Burgberg war nicht weit entfernt, eine völlig unebene Straße führte hinauf, die tatsächlich von einigen Fahrern in Angriff genommen wurde. Ich lief lieber, wieder vorbei an Müllbergen und streunenden Hunden und Katzen. Ratten sah ich zum Glück nicht, aber wo Müll ist....
Ich weiß auch nicht, warum ich die ganze Zeit dachte, in Albanien würde der Euro akzeptiert. Ich wunderte mich die ganze Zeit, warum der Liter Diesel 1,35 kosten sollte. Erst jetzt, auf dem Weg nach oben, kam mir der Gedanke, dass es 135 hieß und dass es sich dabei sicher nicht um Euro handelte. Ich hatte natürlich nichts anderes in der Tasche, bis auf 300 Kuna, die man mir in Montenegro nicht hatte wechseln wollen. Kriegsnachwehe.
Also hatte ich ein schlechtes Gewissen, denn es konnte sein, dass ich den nicht gerade einfachen Weg, der steil auf rutschigen Steinen nach oben ging, umsonst ging. Oben angelangt war natürlich ein Schild, das mich auf den Ticketpreis von 200 Irgendwas hinwies. Der Wärter kam auf mich zu, eine freundliche Gestalt um die 50. Er sprach kein Englisch, aber er verstand, dass ich keine albanische Währung hatte. Also nahm er mir einen Euro ab. Ich bekam kein Ticket, das machte er mir klar, also wusste ich, wo der Euro landete. Sicher nicht im Staatssäckel. Mit den Albanern hinter mir machte er es genauso, er kassierte nie den vollen Preis, sondern nahm immer eine Art Bakschisch an. Hier funktionieren die Dinge also noch normal. Oder kann sich jemand vorstellen, dass ich in Deutschland, vielleicht in Neuschwanstein, nur mit englischen Pfund (Beispiel) bestückt, ein Ticket bekommen hätte?

Die Burg selbst ist von beachtlicher Größe. Sie ist eine völlige Ruine, aber eine imposante. Die Aussichten auf das Delta und die Berge sind überwältigend. Die Stadt selbst ist nicht die schönste, das konnte man schon von oben sehen, aber letztlich macht das nichts. Leider war das Museum nicht geöffnet, es wäre sicher ein Erlebnis geworden, auch wenn es eine uralte Ausstellung zu sein scheint.
Unten sah ich eine weitere angepriesene Attraktion, eine Moschee. Nach dem Burgbesuch lief ich nach unten, fiel einmal beinahe hin, so rutschig war es. Die Sonne schien noch vor zehn Uhr so heiß, dass es kaum zum Aushalten war.
Der Weg zur Moschee ist unvorstellbar. Ich lief einen Eselspfad entlang, aus Steinen und Sand. Verrottende Feigen rochen schon meterweit, bevor ich ihnen ausweichen musste. Die üblichen Garnituren aus Plastikflaschen und Papier erinnerten mich an meine ersten Tage in Manchester. Es war wenigstens bunt.
Die Moschee selbst liegt baufällig mitten in der Landschaft. Es ist immer noch ein imposanter Bau, der aber dringend Aufwertung benötigt, und sei es nur ein Aufhübschen der Umgebung. Ich umkreiste das Gebäude zur Hälfte, sah alte Grabsteine und erinnerte mich an muslimische Friedhöfe in Marokko, die so völlig anders ausgesehen hatten. Aber ich bin ja eine halbe Weltreise davon entfernt.
Ich wusste, dass ich die beiden hauptsächlichen Attraktionen hier gesehen hatte. Trotzdem lief ich noch ins Zentrum, sicher zwei Kilometer entfernt in die andere Richtung. Ich bereute es nicht. Der Gang der Zeit ist hier anders. Ich setzte mich in eines der gefühlten Hundert Cafés und sah dem Lauf der Welt zu. Dort sprach mich ein Albaner an, der mir von seiner Zeit in der Armee erzählte und dass er gerne woanders leben möchte. Es war eine sehr traurige Geschichte, denn sein Vater starb irgendwo im Gefängnis . Wo habe ich nicht verstanden. Dass er das nicht überwunden hatte, selbst nach Jahren nicht, sah ich daran, dass er immer an seinem Cognac nippte, wenn er davon sprach. Und es war sicher nicht der erste an diesem Tag. Er versuchte noch, seine Schwester zu erreichen, ein einsamer Deutscher wäre sicher eine gute Partie und für ihn vielleicht der Weg ins Glück. Zu meinem Glück erreichte er sie nicht, er verabschiedete sich bald darauf. Als ich zahlen wollte, lehnte der Kellner ab. Das habe mein Freund schon erledigt. Unglaublich.
Die Stadt selbst bietet nicht mehr viel, dennoch hat sie ein gewisses Etwas. Niemand ist hier in Eile, außer vielleicht alle Autofahrer, die jedoch, sobald sie aussteigen, in einen anderen Trott verfallen.
Ich sah noch einen ruinösen Uhrenturm, eine moderne Moschee, bevor mir die Mittagshitze zu viel wurde und ich mich in ein weiteres Café in einer Fußgängerzone zurückzog. Hier konnte ich ein deutsches Paar beobachten, das dabei war, seine Reise in Albanien zu planen. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Sie hatte eine Art Kreuzschema entwickelt, oder Tabellen, in die sie die Attraktionen – soweit ich das sehen konnte – eingetragen hatte. Er diktierte, sie schrieb. Es war faszinierend. So organisiert möchte ich auch einmal sein. Ich hätte sie gerne auf das System angesprochen, aber ich wusste, dass ich mich nicht einmischen durfte. Sonst wäre das gläserne Gespinst der beiden zerstört gewesen. Keine Ahnung warum, aber es war so. Jetzt ärgere ich mich dennoch, denn es sah sehr interessant aus.
Ich blieb eine ganze Weile sitzen, im Schatten war es auszuhalten, doch die Sonne kam unbarmherzig über die Häuserdächer und um zwei Uhr war dann Schluss mit der Labsal.

Ich sah mich trotz der Hitze noch ein wenig um, dann aber hatte ich genug und schleppte mich zurück zum Camper. Kaum ein Mensch war auf der Straße, sie wussten warum. Nur der doofe Deutsche hat es noch nicht verstanden. Natürlich stand der Camper jetzt in der prallen Sonne, womit die Fahrt zurück zu einem verschwitzten Erlebnis wurde. Aber letztlich war es ein schöner Tag. Leider auch ein verbrannter, denn trotz 30er Sonnenschutz habe ich einen Sonnenbrand. Kaum zu glauben.
Morgen fahre ich weiter, Richtung Durres, bevor es nach Griechenland geht.
 

Burg in Shkoder

Die imposante Burg in Shkoder: Von unten am eindrucksvollsten.

Panorama auf das Delta bei Shkoder

Doch die Aussicht auf das Flussdelta ist von hier einmalig.

Burg in Shkoder2

Die Burg besteht wie die meisten Ruinen nur noch aus alten Steinen.

Shkoder1

Das Zentrum der Stadt ist interessant.

Shkoder2

Hier eine perfekt renovierte Ausgehmeile für die Reichen und Schönen.

Shkoder3

Direkt daneben sieht es dagegen so aus...

Shkoder4

Auch die Straßen sind nicht immer geteert.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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