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Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Europa-Karte

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Griechenland

25.07. Ljubljana

Die Wolken sahen zu Tagesbeginn recht furchterregend aus, entpuppten sich später aber als Attrappen. Trotzdem nahm ich den Schirm mit, ein Utensil, das mich gestern vor dem schlimmsten bewahrt hätte. Hätte, hätte, liegt im Bette.
Es war ein Tag der schwierigen Entscheidungen. Als es noch finster aussah, wollte ich mein elektronisches Ticket für die Öffentlichen an der Rezeption erneuern, doch plötzlich erbrachen sich die Sonnenstrahlen auf uns durstige Sommerjünger. Fast schon wäre ich an der Reihe gewesen, doch ich lief, zur allgemeinen Verwunderung der Anwesenden, wieder aus dem Rezeptionsgebäude hinaus und schnallte mein Rad ab. Jedoch traute ich der Geschichte nicht, Regenjacke und Schirm hatte ich dabei. Auf vier bis fünf Kilometer schätze ich die Strecke, vorbei an dem üblichen Speckgürtel einer Großstadt, der hier allerdings eher magerer ausfällt.
Die Stadt hatte bei Sonnenschein sofort einen anderen Charakter. Spiegelte sie gestern eher die Stimmung der Leute über das Wetter wieder, tat sie das heute auch. Mit dem Unterschied eben, dass es sehr, sehr freundlich war. Waren gestern kaum Menschen unterwegs, so hatte sich das geändert. Die Massen fehlten zwar immer noch, aber es war angenehm gefüllt, die Stadt lebte. Ljubljana ist jedenfalls kein Wochenendmuffel, in dem alle zu Hause bleiben. Besonders die Uferterrassen waren gut gefüllt, wie ich annehme meistens mit Slowenen. Ein ausgesprochen junges Publikum, wahrscheinlich waren noch nicht alle Studenten auf dem Weg in die heimatliche Pampa. Bei diesem Wetter fiel das Museum natürlich aus, es war der perfekte Tag für eine Stadtbesichtigung. Sonnig, aber nicht zu heiß, einfach angenehm eben. Ich lief noch einmal die meisten Straßen in der übersichtlichen Innenstadt ab, es gefiel mir besser. Was einige Sonnenstrahlen ausmachen, bzw. wovon wir uns wirklich beeinflussen lassen.

Den Weg zur Burg fand ich eher zufällig, eine schmale Seitengasse führte nach oben. Ein Schild fehlte zwar, aber es war der einzige Weg, der laut Karte infrage kam. Eine kurze, mitunter steile Angelegenheit, oben musste ich einmal durchpusten. Aber meine Fitness ist ganz sicher besser als vor vier Monaten und das war nun wirklich kein Hindernis. Hier oben war ich ein wenig enttäuscht. Es ist eine mittelalterliche Burg, das sieht man noch an der Form, doch mit wie viel Eifer sind die Restauratoren vorgegangen? Sie sieht aus wie neu, oft ist sie sogar verputzt, auch wenn das authentisch ist, sieht es nicht sehr alt aus. Auch eine Art 60er oder 70er Jahre-Anhängsel fand ich vor, ein Gebäude, das vom Hof her leider viel zu gut zu sehen ist. Wenigstens die Aussicht war wundervoll, auch wenn ich den Hauptturm nicht bestiegen habe, denn wieder wollten die Hauptstädter eine kleine Unsumme für die paar Stufen. Ich kann so etwas bei aller Liebe für meine europäischen Freunde nicht verstehen, nachher werde ich ein weiteres Beispiel nennen, bei dem ein zu großes Selbstbewusstsein und Stolz auf seine Interessenobjekte mit der Zeit dazu führen wird, dass Slowenien entweder nur von sehr wohlhabenden oder aber gar nicht besucht werden wird. Ich versuche mich als Weissager.

Wieder fiel mir der Vergleich mit dem Burgberg in Prag ein, ich musste ein wenig lachen. Die Hauptstadt der Slowenen hält diesem einfach nicht stand. Trotzdem genoss ich den Blick auf die Stadt unter mir, befreite mich in der Sonne von diesen lächerlichen Erinnerungen an andere Orte und war wieder hier, auf dem Burgberg in Ljubljana, zusammen mit einigen Dutzend anderen Touristen, die wie ich einen schönen Tag genossen.
Um einmal etwas anderes zu sehen, begann ich den Abstieg, eine Sache von fünf Minuten. Dann stand ich wieder auf der Hauptstraße, ging an den immer voller werdenden Restaurantterrassen vorbei. Ich war auf der Suche nach dem Stück römischer Mauer, das hier noch erhalten ist. Allerdings kam ich nicht am Trödelmarkt vorbei, der auf der anderen Uferseite stattfand. So etwas kann ich mich nicht entziehen, auch wenn es davon in Berlin so viele gibt und sich auch die Angebote meist sehr ähneln. Ebenso hier, auch wenn es mehr Bäuerliches gab als in der deutschen Hauptstadt. Ein Jahrzehnte alter Dreschflegel hatte es mir angetan, doch es war ein schwacher Moment. Wie bei den meisten angebotenen Dingen fehlt am Ende doch der Nutzen. Doch an zwei Spazierstöcken kam ich kaum vorbei, so etwas lege ich mir sicher einmal zu, wenn meine Rückenschmerzen irgendwann chronisch werden. Aber so weit ist es noch nicht und ein vorzeitiger Kauf würde sich beschleunigend auf meine Leiden auswirken. Schon aus Geiz und dem Wissen, etwas nicht umsonst gekauft zu haben. Also ließ ich die Dinger stehen, dafür ist in zwanzig Jahren immer noch Zeit.

Auf meinem Weg zu den Ruinen war ich bald sehr allein, obwohl sie keine 500 Meter vom kleinen Zentrum entfernt liegen. Ich ging fast daran vorbei, eine kleine Öffnung in einem Gebüsch gab den Blick frei. So wirklich römisch fühlte ich mich nicht, aber es war einmal etwas anderes. Einige Sarkophagie lagen in diesem parkähnlichen Gebilde im Gras herum, die Mauer war etwas zu sauber restauriert. Ich beschloss, in die Stadt zurück zukehren, um eine Kleinigkeit zu essen und mich irgendwo für eine Schreibsession nieder zu lassen. Ich erwägte das Sobkol, doch als ich dort vorbei lief und die riesigen Portionen mit dem deftigen slowenischen Essen sah, konnte ich nicht. Ich bin seit Jahren ein „Abends-Esser“, mittags schaffe ich nur leichte Kost. Sonst ist der Nachmittag wegen überforderter Verdauung gelaufen. So begnügte ich mich mit einem Sandwich, suchte danach ein Café am Ufer auf.
Ich glaube wirklich, dass die eigentliche Attraktion Ljubljanas im Savoir-Vivre liegt, das sie hier besonders feiern. Es ist ein wenig mit dem der Franzosen zu vergleichen, wenn diese um die Mittagszeit hinausströmen, um einen leichten Lunch und ein Gläschen Wein zu sich zu nehmen. Hier ist es nicht ganz so, aber ähnlich. Ich glaube, die Slowenen tingeln von einem Café zum nächsten, mehrere Male erkannte ich Leute wieder, die sich anscheinend an mir vorbei geschlichen und einfach in ein anderes Etablissement gegangen sind. Hier ein Eis, da ein Café, dort einen Wein. So machen sie es.
Ich begnügte mich mit einem Espresso und schrieb eine ganze Weile. Es war ein herrlicher Ort dafür, immer wieder machte ich kleine Pausen, um einer meiner Lieblingsbeschäftigungen zu frönen, Leuteschauen. Ich bekam eine Menge zu sehen, wie gesagt, sehr junges Publikum.

Die Zeit war einfach wie im Flug vergangen, es war schon später Nachmittag. Ich weiß auch nicht, warum das immer so schnell geht, aber es ist so. Kaum etwas getan und doch ist die Zeit herum. Nicht so wichtig, schließlich ist die Zeit meiner Time-Management-Kurse vorbei.
Ich ging noch in den Park mit dem verheißungsvollen Namen Tivoli, betrachtete dort eine recht bizarre Fotoshow, die dort öffentlich ausgestellt war. Dann wusste ich instinktiv, dass es genug war. Meine Zeit in der ersten Hauptstadt war abgelaufen. Ich stieg auf mein Fahrrad und radelte langsam zurück, verarbeitete die vielen Eindrücke des Tages. In dem Moment, in dem ich am Camper ankam und eingestiegen war, begann es wieder wie auf Bestellung zu regnen. Also habe ich meine Zeit doch genau richtig eingeteilt. Und Ihr redet von schlechtem Zeitmanagement. Pah.

Im Camper hatte ich Zeit, mein nächstes Ziel zu suchen. Eigentlich wollte ich morgen zu den Höhlen Postojna fahren. Meine Recherche im Internet ergab jedoch, dass der Eintrittspreis dort 20 Euro beträgt. Ich muss gestehen, dass ich nicht einmal darüber nachdachte, sondern morgen definitiv woanders hinfahren werde. Ich weiß ja nicht, wer sich das leisten kann, ich möchte es nicht. Auch wenn ich jetzt als Geizkragen gelten werde, aber bei einem Tagesbudget von 30 Euro kann ich mir das nicht erlauben. Ist eben so. Die Alhambra kostete 12, Dalis Museum auch (ungefähr), aber das waren bewusste Entscheidungen und Sehenswürdigkeiten, die ich unter keinen Umständen verpassen wollte. Das hier ist mir einfach zu viel, und wenn ich bedenke, mit welchem Enthusiasmus die Slowenen andere Objekte überbewerten, kann ich mir einfach nicht vorstellen, auf meine Kosten zu kommen.
Ein paar Tage werde ich mich hier noch aufhalten, dann aber weiter fahren, vielleicht kurz nach Ungarn oder gleich nach Zagreb. Wieder komme ich sicher erst, wenn die Slowenen wieder auf dem Teppich angekommen sind. Das kann noch etwas dauern.
Trotzdem, ich empfinde es als wundervoll, diese Hauptstadt endlich gesehen zu haben. Sie war ein weißer Fleck auf meiner Karte. Sie ist jetzt ein buntes Bild voller Leben und Erinnerungen.
 

Ljubljana 10

Was die Sonne ausmacht: Die slowenische Hauptstadt präsentierte sich ganz anders als gestern.

Ljubljana 11

Alles wirkte heiterer, die Menschen strömten auf die Straßen.

Ljubljana 19

Die Cafés am Ufer hatten Hochkonjunktur, die Schlangen an den Eisdielen waren beachtlich.

Ljubljana 18

Überall flanierten die Leute. Oder lunchten in einem der vielen Restaurants.

Ljubljana 13

Das ist jedenfalls spektakulärer als die Attraktionen hier. Die Burg machte m.E. nicht viel her.

Ljubljana 14

Auch die römischen Ruinen nicht, die ich kaum fand.

Ljubljana 12

Aber die Stadt selbst kann ich unbedingt empfehlen.

Ljubljana 20

Denn das Savoir-Vivre ist einmalig.

Ljubljana 16

Slowenischer Gummiadler? Nein, Drachen aus griechischen Legenden. Die Drachenbrücke, die an Jason und die Argonauten erinnert.

Ljubljana 17

Auch wenn das gute Tier nicht sehr bedrohlich aussieht.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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