Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Ein etwas exzentrischer Roman für die, die die Realität nicht zu ernst nehmen.

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Spanien

21.04. Oualidia

Gestern Abend weihte ich meine neu erstandene Tajine ein. Das Ergebnis war nichts weniger als eine kleine Katastrophe. Ich hatte mich für Gemüse entschieden. Die Tajine selbst funktionierte ausgezeichnet, Aubergine, Zucchini, Tomaten und sogar die Kartoffeln waren angenehm gar, doch am Geschmack muss ich noch feilen. Ich hatte eine Art Tajinenwürzer gekauft, der letztlich nur aus Tomatensoße zu bestehen schien und der sich geschmacklich kaum auf das Gemüse auswirkte. Dass es besser geht, wusste ich von vor ein paar Tagen, das nächste Mal werde ich mich auf einem Markt hinsichtlich Gewürzen beraten lassen.

Es war nicht nur ein heißer Tag gestern, auch die Nacht war angenehm warm, die erste. Dabei muss ich an einige Nächte von vor nur drei Wochen zurückdenken, in denen ich trotz zweier Decken fror. Ich ging recht früh in die Stadt, um zu sehen, wann der König ankommen würde. Es herrschte schon heitere Anspannung, die Menschen hielten sich bereits vor den aufgestellten Gittern auf. Viele hatten ihre besten Kleidungsstücke an, oft sah ich blendend weiße Jeballahs, auch Anzüge. Ich stellte mich direkt vor eine traditionelle Musikgruppe in festlichen Kostümen, die sich aber beim Musizieren zurückhielt. Dort standen wir also, ich habe Marokkaner selten so still gesehen. Selbst ich als Europäer fiel ihnen nicht auf, bzw. sie interessierten sich nicht, so dass ich das Spektakel in aller Ruhe beobachten konnte. Polizisten vor uns regelten den Verkehr, zwangen Lastwagen zur Umkehr, winkten verstörte Wohnmobilfahrer durch, die nichts mit dem Geschehen anfangen konnten. Dann begann die Gruppe vor mir zu spielen, es waren ungewohnte Klänge, ungewöhnliche Tonleitern, deren Hauptmelodie von hölzernen Flöten gespielt wurden. Den Rhythmus gaben Trommeln und auch Posaunen an, das merkwürdigste aber war ein festlich gekleideter junger Mann, der ein riesiges Gebilde aus Messing auf den Kopf gestülpt hatte. Er tanzte, soweit ihm das seine Kopfbedeckung erlaubte und sang, was man allerdings angesichts der Posaunen und Trommeln kaum hörte.
Dann geschah etwas, womit ich nicht rechnete. Die Menge löste sich auf. Erst liefen die Menschen auf die Straße, die nicht durch Polizisten gesichert war, dann stand ich bald fast alleine am Gitter, um mich herum machten die bis dahin geschlossenen Geschäfte auf und es war, als wäre aber auch gar nichts gewesen. Von einem Einheimischen erfuhr ich dann, dass der König jetzt nicht käme. Vielleicht morgen. Die Leute waren nicht enttäuscht, sondern gingen ihrer Wege. Sicher findet morgen dasselbe Fest statt, vielleicht kommt er dann. Ich musste lächeln, denn ich bewundere diese Entspanntheit ob der Dinge, auf die man ohnehin keinen Einfluss hat.
Ich kämpfte jetzt mit mir, ob ich mich gleich auf den Weg machen sollte. In mir brannte eine Unruhe, die kaum zu ertragen war. Ich zählte und stellte fest, dass bereits mehr als ein Drittel meines marokkanischen Abenteuers vorbei war. Wie im Flug waren die Tage vergangen und ich war noch so wissenshungrig. Doch merkte ich auch, dass ich dringend eine Pause brauchte, denn seit Beginn der Reise hatte ich mir keine Auszeit gegönnt. Das spürte ich überall, sowohl körperlich, vor allem aber geistig. Nach längerem Zögern beschloss ich, auf dem Campingplatz für zwei Tage zu bezahlen, danach ging es mir besser. Im Grunde ist es der perfekte Ort für einen Tag zum „Chillen“. Das Dorf bietet nichts außer einer Hauptstraße, die Strände sind ewig lang und nach einigem Zögern wagte sich nachmittags eine ziemlich umbarmherzige Sonne hinter den Wolken hervor. Ich tat nicht viel, ging ein wenig am Strand spazieren, las, ruhte mich sonst aus. Ich stellte solch unwichtige Kleinigkeiten fest, dass der Pfefferminztee hier nicht schmeckt, was sicher am Wasser liegt, das, wenn es aus der Leitung kommt, einen unangenehmen, leicht salzigen Geschmack hat. Das macht das Zähneputzen zu einer nicht gerade angenehmen Aufgabe. Doch sind das Nichtigkeiten, die ich als Reisender ohne Klage in Kauf nehme.
Ich nahm mir vor, den morgigen Tag sehr früh zu beginnen, denn nach Essaouira sind es immerhin ca. 170 Kilometer auf der Landstraße, also sicher fast 4 Stunden Autofahrt. Und ich möchte dort gerne noch mit der Energie ankommen, die Stadt zu besichtigen. Es wird dort mein letzter Tag am Meer sein, denn es zieht mich erst nach Marrakesch, dann in die Berge, um einen ganz anderen Teil Marokkos kennenzulernen. Von Erzählungen anderer Reisender weiß ich, dass dieser fast noch schöner sein soll als die Atlantikküste. Ich lasse mich überraschen.

Die Fahne Marrokos

Dutzende von Fahnen wehten im Wind.

Geordnetes Volksfest

Vor dem Besuch des Königs ging es geordnet zu.

Traditionelle Musik

Die Kapelle fängt bald an zu spielen.

Mit einem Metallhut tanzt es sich langsamer

Der Tänzer mit dem schweren Metallhut tut mir leid. .

Das fest löst sich auf

Plötzlich ist alles vorbei. Der König kommt doch nicht.

Einsames Fischerboot in Oualidia

Also ist es Zeit, wieder an den Strand zu gehen.

Küste in Oualidia

Die Küste ist aber auch spektakulär.

copyright 2005 - 2016 Torsten Thoms

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NEU 2014:

Seelenfesseln

Der Roman zur Reise:
Nocturnia - Die langen Schatten.
Wer möchte, kann die ersten Kapitel hören. Oder auch lesen.

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